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<title>Jugendstrafe</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Jugendstrafe</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Die <b>Jugendstrafe</b> ist im deutschen <a href="Jugendstrafrecht_(Deutschland)" title="Jugendstrafrecht (Deutschland)">Jugendstrafrecht</a> eine speziell für <a href="Jugend" title="Jugend">Jugendliche</a> (14 bis einschließlich 17 Jahre) und <a href="Heranwachsender" title="Heranwachsender">Heranwachsende</a> (18 bis einschließlich 20 Jahre) konzipierte <a href="Freiheitsstrafe_(Deutschland)" title="Freiheitsstrafe (Deutschland)">Freiheitsstrafe</a>. Sie ist die einzige im Jugendstrafrecht vorgesehene <a href="Strafe" title="Strafe">Kriminalstrafe</a> und hebt sich dadurch von den sonst im Jugendstrafrecht vorgesehenen <a href="Zuchtmittel" title="Zuchtmittel">Zuchtmitteln</a> und <a href="Erziehungsma%C3%9Fregel" title="Erziehungsmaßregel">Erziehungsmaßregeln</a> ab (vgl. <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://dejure.org/gesetze/JGG/13.html">§&nbsp;13</a></span> Abs. 3 JGG). Sie darf nur wegen so genannter schädlicher Neigungen oder wegen der besonderen Schwere der <a href="Schuld_(Strafrecht)" title="Schuld (Strafrecht)">Schuld</a> verhängt werden (<span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://dejure.org/gesetze/JGG/17.html">§&nbsp;17</a></span> Abs. 2 <a href="Jugendgerichtsgesetz_(Deutschland)" title="Jugendgerichtsgesetz (Deutschland)">JGG</a>). Maßgebend für die Anwendung von Jugendstrafe ist das Alter des Täters bei Begehung der Tat, nicht bei ihrer Aburteilung (<span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://dejure.org/gesetze/JGG/1.html">§&nbsp;1</a></span> Abs. 2 JGG). Demnach kann gegebenenfalls auch gegen erwachsene Personen eine Jugendstrafe zu verhängen sein, welche dann aber gem. <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://dejure.org/gesetze/JGG/89b.html">§&nbsp;89b</a></span> JGG in einer „normalen“ <a href="Justizvollzugsanstalt" title="Justizvollzugsanstalt">Justizvollzugsanstalt</a> zu verbüßen wäre.
</p><p>Auf Heranwachsende ist das Jugendstrafrecht nur anzuwenden, wenn die Gesamtwürdigung der Persönlichkeit des Täters bei Berücksichtigung auch der Umweltbedingungen ergibt, dass er zur Zeit der Tat nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung noch einem Jugendlichen gleichstand, oder wenn es sich um eine typische Jugendverfehlung handelt. Liegt keine dieser Voraussetzungen vor, wird das normale Strafrecht angewandt. 2010 wurde auf 66 Prozent der verurteilten Heranwachsenden Jugendstrafrecht angewandt.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Dauer_und_Vollzug">Dauer und Vollzug</h2></div>
<p>Die Jugendstrafe dauert grundsätzlich mindestens 6 Monate und maximal 5 Jahre (<span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://dejure.org/gesetze/JGG/18.html">§&nbsp;18</a></span> Abs. 1 S. 1 JGG). Handelt es sich bei der Tat um ein Verbrechen, für das nach dem allgemeinen Strafrecht eine Höchststrafe von mehr als zehn Jahren Freiheitsstrafe angedroht ist, so ist das Höchstmaß 10 Jahre (§ 18 Abs. 1 S. 2 JGG). Wird ein <i>Heranwachsender</i> (also 18- bis 20-Jähriger) eines Mordes schuldig gesprochen, so beträgt das Höchstmaß 15 Jahre, wenn dies wegen besonderer Schwere der Schuld erforderlich ist (<span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://dejure.org/gesetze/JGG/105.html">§&nbsp;105</a></span> Abs. 3 S. 2 JGG, Neuregelung seit 8. September 2012).<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Verbüßt wird die Jugendstrafe in der Regel in <a href="Jugendstrafanstalt" title="Jugendstrafanstalt">Jugendstrafanstalten</a> (siehe <a href="Jugendstrafvollzugsgesetze" title="Jugendstrafvollzugsgesetze">Jugendstrafvollzugsgesetze</a>).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Strafzweck">Strafzweck</h2></div>
<p>Strafzweck der Jugendstrafe ist neben dem Erziehungsgedanken auch die Sühne der Schuld. Die Jugendstrafe darf nach der Rechtsprechung des <a href="Bundesgerichtshof" title="Bundesgerichtshof">Bundesgerichtshofs</a> jedoch nicht auf Erwägungen gestützt werden, dass Abschreckung bewirkt werden solle (sog. Verbot der generalpräventiven Begründung). Auch der Schutz der Allgemeinheit ist gegenüber der Persönlichkeit und der Schuld des Täters nur nachrangig zu berücksichtigen<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>. Für die Überwachung der Strafvollstreckung ist, im Gegensatz zum Erwachsenenvollzug, der Vollstreckungsleiter zuständig (<span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://dejure.org/gesetze/JGG/82.html">§&nbsp;82</a></span> JGG); das ist der im Amtsgerichtsbezirk der Justizvollzugsanstalt zuständige Jugendrichter.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Schwere_der_Schuld">Schwere der Schuld</h3></div>
<p>Die Schwere der Schuld (<span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://dejure.org/gesetze/JGG/17.html">§&nbsp;17</a></span> Abs. 2 JGG, <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://dejure.org/gesetze/JGG/105.html">§&nbsp;105</a></span> Abs. 3 S. 2 JGG) kennzeichnet sich aus den objektiven Umständen der Tat (Taterfolg) und den subjektiven Merkmalen, also Motiven des Täters. Beide müssen gemeinsam vorliegen. Bei Fahrlässigkeitsdelikten kann die Schwere der Schuld nur ausnahmsweise angenommen werden.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Schädliche_Neigungen"><span id="Sch.C3.A4dliche_Neigungen"></span>Schädliche Neigungen</h3></div>
<p>Zeigt der Täter, dass er durch die Sozialisationsmängel (Anlage- bzw. Erziehungsmängel) weiterhin Straftaten von erheblichem Gewicht begehen wird, so können nach Gesamtabwägung zwischen der Biographie des Täters, der aktuellen Lebensumstände und des tatbegleitenden Verhaltens schädliche Neigungen festgestellt werden, die eine Jugendstrafe begründen könnten. Bei der Feststellung erforderlich ist ein Bericht der Jugendgerichtshilfe, die während des Verfahrens mit dem Beschuldigten Kontakt aufnimmt und die Ergebnisse im Jugendgerichtshilfebericht festhält.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Bewährung"><span id="Bew.C3.A4hrung"></span>Bewährung</h2></div>
<p>Die Aussetzung einer Jugendstrafe zur Bewährung richtet sich nach <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.gesetze-im-internet.de/jgg/__21.html">§&nbsp;21</a></span> JGG.
</p><p>Kann zum Zeitpunkt des Urteils nicht mit der erforderlichen Sicherheit festgestellt werden, ob in der Straftat schädliche Neigungen von einem Umfang hervorgetreten sind, dass Jugendstrafe erforderlich ist, so kann das <a href="Jugendgericht" title="Jugendgericht">Jugendgericht</a> die Entscheidung über die Verhängung einer Jugendstrafe nach <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.gesetze-im-internet.de/jgg/__27.html">§&nbsp;27</a></span> zur Bewährung aussetzen.
</p><p>Die zur Bewährung ausgesetzte Jugendstrafe und die <a href="Vorbew%C3%A4hrung" title="Vorbewährung">Vorbewährung</a> (<span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.gesetze-im-internet.de/jgg/__61.html">§&nbsp;61</a></span> JGG) können seit 2013 mit einem <a href="Jugendarrest" title="Jugendarrest">Jugendarrest</a> verbunden werden (<a href="Warnschussarrest" title="Warnschussarrest">Warnschussarrest</a>).
</p><p>Wurde eine Jugendstrafe ohne Bewährung verhängt, kann bei günstiger Sozialprognose nach Verbüßung eines Teils der Rest zur Bewährung ausgesetzt werden (<span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.gesetze-im-internet.de/jgg/__88.html">§&nbsp;88</a></span> JGG).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Führungszeugnis"><span id="F.C3.BChrungszeugnis"></span>Führungszeugnis</h2></div>
<p>Zur Bewährung ausgesetzte Jugendstrafen stehen nicht im <a href="F%C3%BChrungszeugnis" title="Führungszeugnis">Führungszeugnis</a>, sofern die Bewährung nicht widerrufen wird. Jedoch werden alle Jugendstrafen im <a href="Bundeszentralregister" title="Bundeszentralregister">Bundeszentralregister</a> vermerkt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Reformbewegungen">Reformbewegungen</h2></div>
<p>Angesichts der durch die Boulevardpresse kolportierten Einzelfälle wurde Ende 2003 von mehreren Seiten die Erhöhung der Maximaldauer der Jugendstrafe auf fünfzehn Jahre gefordert. Dies wurde jedoch durch die Fachwelt fast einhellig abgelehnt, da der Zweck des Jugendstrafrechts damit nicht getroffen werde, die Anwendung der Jugendstrafe von einer Dauer mit mehr als sieben Jahren bundesweit unterhalb des Promillebereichs aller Verurteilten liegt und eher durch vernünftige Integrations- und Sozialpolitik die <a href="Kriminalit%C3%A4t" title="Kriminalität">Kriminalität</a> besser bekämpft als durch hohe Strafen abgeschreckt würde. Die Überbelegung in den Jugendanstalten würde durch höhere Strafen noch verschärft werden. Im Übrigen könne die Strafdauer über fünf Jahren nur noch den Zweck der Vergeltung von Schuld erfüllen.
</p><p>Zum 8. September 2012 wurde das Höchstmaß der Jugendstrafe für Heranwachsende im Falle des Mordes auf 15 Jahre angehoben (<span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://dejure.org/gesetze/JGG/105.html">§&nbsp;105</a></span> Abs. 3 S. 2 JGG).
</p><p>Der Jugendstrafvollzug ist nach Darstellung der <i>Deutschen Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfe (DVJJ)</i> durch deren Betreiben auf die Gesetzesagenda der politischen Parteien gekommen. Das <a href="Jugendgerichtsgesetz_(Deutschland)" title="Jugendgerichtsgesetz (Deutschland)">JGG</a> besteht seit 1923, hat aber den Jugendstrafvollzug nur im Ansatz geregelt. Weitere Vorschriften wurden bis 2008 noch durch das <a href="Strafvollzugsgesetz_(Deutschland)" class="mw-redirect" title="Strafvollzugsgesetz (Deutschland)">Strafvollzugsgesetz</a> (StvollzG) gestellt. Das <a href="Bundesverfassungsgericht" title="Bundesverfassungsgericht">Bundesverfassungsgericht</a> entschied durch Urteil des Zweiten Senats vom 31. Mai 2006 (Aktenzeichen 2 BvR 1673/04 - 2 BvR 2402/04), dass der Jugendstrafvollzug einer eigenen gesetzlichen Grundlage bedarf. Diese wurde bis 2008 durch die Bundesländer (<a href="Jugendstrafvollzugsgesetz" class="mw-redirect" title="Jugendstrafvollzugsgesetz">Jugendstrafvollzugsgesetz</a>) geschaffen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Resozialisierung" title="Resozialisierung">Resozialisierung</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>S. M. Giebel, A. Taefi: <i>Ansätze zur polizeilichen Prävention bei jugendlichen Straftätern – Jugendstrafvollzug und Rückfall.</i> Der Kriminalist, 02/2009</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li>Kerstin Reich: Sind ausländische Jugendliche krimineller? Kriminalität von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. In: Zeitschrift Sicherheit und Kriminalität – Heft 1/2003, Hrsg.: Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (LpB Ba-Wü). (<a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.buergerimstaat.de/1_03/migration.htm">online</a>)</li>
<li>BVerfG: <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rs20060531_2bvr167304.html">Urteil 2 BvR 1673/04, 2 BvR 2402/04 vom 31. Mai 2006</a> zur Verfassungsmäßigkeit des Jugendstrafvollzugs</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.buzer.de/gesetz/5689/al35048-0.htm">Gegenüberstellung der alten und neuen Fassung</a></span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external free" href="http://www.servat.unibe.ch/dfr/bs015224.html">http://www.servat.unibe.ch/dfr/bs015224.html</a> BGH, Urteil vom 11. November 1960 - 4 StR 387/60; BGH, Beschluss vom 1. Dezember 1981 - 1 StR 634/81</span>
</li>
</ol>
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Normdaten&nbsp;(Sachbegriff): <a href="Gemeinsame_Normdatei" title="Gemeinsame Normdatei">GND</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://d-nb.info/gnd/4162867-6">4162867-6</a></span> </div>
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